Kreative Köpfe

Im Interview: Thomas Katschke, Produktdesigner

Im Herzen der Hansestadt Bremen arbeitet Thomas Katschke, kreativer Kopf und Geschäftsführer von KATSCHKE INDUSTRIEDESIGN. Stephan Kühl, Marketingleiter bei PALMBERG, besuchte den Designer, um Ihnen die Welt der Gestaltung etwas näher zu bringen. Neben den harten Fakten interessierte uns natürlich auch, welche Persönlichkeit hinter dem PALMBERG Design steht. Lesen Sie dazu das Interview.

Katschke Design

1992 wurde das Designbüro unter dem Namen Katschke & Partner in Hamburg gegründet. Den schnellen Erfolg im gestaltenden Geschäft verdankt Thomas Katschke seinen Förderern und Kollegen des IFP und den Peter Schmidt Studios in Hamburg, wo er zuletzt 1992 als Projektleiter engagiert war und für Kunden wie JOOP und JIL SANDER arbeitete. 2001 zog er mit seinem Büro nach Bremen. Seither ist der Erfinder von Formen und Funktionen mit sicherem Gespür für das Verhältnis von Investition und Innovation für Unternehmen in ganz Europa tätig. Zu den Schwerpunkten von KATSCHKE INDUSTRIEDESIGN gehören Produkt-, Möbel- und Interieurdesign. 2010 wurde das Büro mit dem "Designpreis Brandenburg" und dem IF-Design-Award sowie dem red dot design award für PALMA prämiert.

Das Interview

Seit wann arbeiten Sie für PALMBERG?
Seit Ende der 80er Jahre.

Welche Produktreihen haben Sie für PALMBERG entworfen?

PALM-TEC, PALMEGA, PENSUM, PALMA, KIT, CALDO C. Der Stil und die Funktion wurden von uns geprägt. Die Serienausarbeitung wurde von den Ingenieuren der Auftraggeber geleistet.



Für welche Auftraggeber arbeiten Sie, neben PALMBERG, noch?

Katschke-Industriedesign arbeitet für viele unterschiedliche Branchen. Wir bedienen, neben dem Möbelbereich, Kunden aus der Medizintechnik, der Bauindustrie, dem Handwerk, aber auch Hersteller aus der Luft- und Raumfahrttechnik gehören zu unseren Auftraggebern.

Herr Katschke, Sie arbeiten schon sehr lang für Auftraggeber aus dem Office-Bereich und kennen das Umfeld. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Büroarbeit in der Zukunft aus?

Ich glaube, Bürotätigkeiten werden zukünftig dezentraler ausgeübt. Menschen kommen weniger direkt zusammen, sondern werden permanent online sein, um miteinander zu kommunizieren. In der Zukunft werden Möbel und Raumentwicklungen für Videokonferenzen immer wichtiger.
 Durch die zunehmende Beschleunigung der Arbeit und die fortlaufende Entwicklung zu immer technischeren Arbeitsplätzen wächst die Belastung des Einzelnen. Wichtig ist daher auch die Gestaltung von Ruhezonen am Arbeitsplatz. Die Wertewelt der Wohnwelt hält Einzug in die Bürolandschaft. Es gilt nicht mehr, dass der Arbeitsplatz unter dem Gesichtspunkt Schnittstelle Mensch/Maschine zu sehen ist. Emotionale Werte werden in die Büroarbeit einfließen.



Wie werden bei Katschke Design Aufträge bearbeitet
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Nach der Zieldefinition beginnt die Ideenfindung per Skribble. Zunächst werden Zeichnungen angefertigt, nach denen möglichst schnell Volumenmodelle gebaut werden. Nach einigen Testphasen werden Daten für die 3D-Konstruktionszeichnungen erstellt, die dann dem Kunden präsentiert werden. 
Hierbei handelt es sich um fotorealistische Darstellungen, die Entscheidungen erleichtern. Parallel werden Volumenmodelle aus PU-Schaum als Dimensionsstudien gefertigt. Nach der Freigabe durch den Auftraggeber beginnt die Übergabe für finale 3D-Konstruktionsmodelle an Ingenieure und Zulieferer. Unser Ziel im Designprozess ist es, schnell in die Dimension 1:1 zu kommen.



Was macht gutes Design aus?

Wir entwickeln gutes Design für den Mittelstand. Der Kundengewinn steht bei jeder Bearbeitung im Vordergrund. Wir machen keine Kompromisse in der Fertigung und Technologie und arbeiten nach dem Grundsatz "Kunst dient dem Betrachter – Design dient dem Nutzer".

Wer hat Sie beeinflusst?

Ich habe keine persönlichen Vorbilder. Das Skandinavische Design in seiner klaren, puristischen Anmutung hat mich immer begeistert.



Was würden Sie gerne einmal entwerfen?

Ich wäre gern Architekt geworden, denn ich betrachte Gestaltung am liebsten ganzheitlich. Mich interessiert nicht nur die Gestaltung des Möbels, sondern das ganze Haus im Kontext mit der Landschaft – das wäre eine tolle Aufgabe. Dabei bin ich der Meinung, das man Design entdecken darf – es muss nicht immer vordergründig sein.



Haben Sie ein Lieblingsprodukt bzw. eine Lieblingsmarke
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Apple und Porsche



Was machen Sie in Ihrer Freizeit – wo und wie schalten Sie am besten ab?

An erster Stelle steht meine Familie. Meine zweite Leidenschaft ist mein Motorrad (Harley Davidson). Beim Cruisen durch die Landschaft schalte ich ab.



Welche Vorurteile über Designer können Sie am wenigsten ertragen?

"Design ist nur für die schöne Form zuständig

." Der Begriff Design wird heute für alles benutzt, aber für mich gilt immer noch "form follows function" – Gestaltung ohne Funktion ist Kitsch!