Der Grundriss liegt auf dem Tisch. Ein langes Rechteck, eine Fensterfront, achtzehn Meter bis zum Treppenhauskern. Irgendwer hat schon mit Bleistift das Raster gezogen. Tischgruppe, Gang, Tischgruppe, Gang. Bis ganz nach hinten. Jeder Platz gleich breit, gleich tief, gleich gerecht.
Sieht aus wie ein Schachbrett. Nur ohne die dunklen Felder.
Im Büro gibt es die aber. Immer. Hinter dem Fenster fällt das Tageslicht steil ab. Nach wenigen Metern kommt nur noch ein Bruchteil an, und die Deckenleuchte muss mitarbeiten. Das Raster auf dem Papier kennt kein Licht. Der Mensch am Tisch spürt es den ganzen Tag.
Dieser Beitrag dreht die Reihenfolge um. Erst das Licht. Dann der Tisch. Dann die Zone.
Wie der Schreibtisch zum Fenster stehen sollte
Ein Schreibtisch steht richtig, wenn der Blick parallel zur Fensterfront verläuft und das Tageslicht von der Seite kommt. So spiegelt sich das Fenster nicht im Bildschirm, und niemand schaut stundenlang direkt ins Helle.
Das klingt nach Hausmeisterwissen. Ist es auch. Trotzdem habe ich kaum ein Büro gesehen, in dem nicht mindestens ein Tisch falsch steht. Meistens aus Liebe zur Aussicht.
Wer frontal zum Fenster sitzt, arbeitet gegen die Helligkeit. Das Auge stellt sich auf das Licht draußen ein, der Bildschirm wirkt daneben dunkel, und am Nachmittag können die Augen brennen. Wer mit dem Rücken zum Fenster sitzt, hat das Gegenteil: Das Fenster sitzt jetzt im Monitor. Man sieht die eigene Tabelle und darüber einen hellen Rahmen, der nicht weggeht.
Die Regel hat nur einen Haken. Sie gilt für den einzelnen Tisch. Nicht für die Fläche.
Und die Fläche ist das eigentliche Problem.
Warum Büros so tief geworden sind
Tiefe Großräume gab es schon vorher, vor allem nach amerikanischem Vorbild. Aber sie hatten einen schlechten Ruf: Tische in Reih und Glied wie im Klassenzimmer, geordnet nach Hierarchie. Das änderte sich in Gütersloh.
1961 wurde dort die erste vollständig umgesetzte Bürolandschaft fertig, geplant vom Quickborner Team für die Bertelsmann-Versandtochter Buch und Ton. 270 Menschen verwalteten dort den Versand von Büchern und Schallplatten, auf einer einzigen offenen Fläche. Die Köpfe dahinter waren die Brüder Eberhard und Wolfgang Schnelle. Sie kamen, ausgerechnet, aus dem Büromöbelgeschäft ihres Vaters.
Die Bürolandschaft wollte die Büroarbeit menschlicher machen. Die Tische gruppierten sich nach Arbeitsgruppen, die Wege wurden mit Pflanzen markiert. Und das Innere der Fläche regelte man über künstliches Klima, Akustik und Lichtplanung.
Man kann diesen letzten Punkt als die eigentliche Pointe lesen. Wenn Luft und Licht aus der Decke kommen, darf der Raum tief werden. Das Fenster ist dann keine Bedingung mehr. Es wird ein Rand.
Die Bürolandschaft ist Geschichte. Ihre Tiefe ist geblieben.