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EINE IDEE FINDET IHREN MOMENT
Was als Entwurf an der Hochschule Anhalt in Dessau begann, gehört heute zum PALMBERG-Sortiment: SALTO. Im Gespräch erzählt Moritz Michael, wie aus einem Studienprojekt ein Serienprodukt wurde und warum gute Ideen manchmal den richtigen Moment brauchen.
Moritz, erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem die Idee für SALTO entstanden ist?
Moritz Michael: Ja, tatsächlich ziemlich gut. Das Briefing damals kam aus dem Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Anhalt in Dessau – mit ihrer Nähe zur Bauhaus-Tradition – und Palmberg.
Im Zentrum stand die „Mittelzone“: also genau die Bereiche im Büro, die sich klassischen Kategorien entziehen. Es ging darum, Ideen für das Büro der „Zukunft“ zu entwickeln, also genau in die Richtung, in die sich moderne Büros stetig weiterentwickeln: weg von rein statischen Arbeitstischen und Cubicals von früher, hin zu flexiblen Zonen für verschiedene Tätigkeitsbereiche und Personen. Die Mittelzone sollte genau um diese Flexibilität von Raum, Nutzung und Mensch im Projekt mit Palmberg bespielt werden. Mich hat gereizt, ein Möbel zu entwickeln, das sich dort selbstverständlich einfügt – ohne eine feste Nutzung vorzugeben.
Ich wollte ein Möbel entwickeln, das sich selbstverständlich in die Mittelzone einfügt, ohne eine feste Nutzung vorzugeben.
Niemand kann und sollte 8 Stunden am Tag sitzen. Ich selbst arbeite dynamisch, wechsele gerne den Ort, und stehe oder sitze abwechselnd. Für ein menschenorientiertes Arbeiten wollte ich genau diesen Aspekt in meinem Möbel verankern und den Benutzenden mehrere Möglichkeiten anbieten, die sie sich selbst "fertig" gestalten können, je nachdem, was sie selbst brauchen oder mögen. – Auch Treffpunkt und Pause sollte das Möbel mitmachen können.
Ihr Entwurf hieß ursprünglich „Rock Paper Scissors“. Warum dieser Name?
Moritz Michael: Der Name kam aus der Idee der Bewegung heraus. Das Möbel sollte nicht statisch sein, sondern sich durch Kippen, Drehen und Wenden verändern lassen – wie ein spielerischer Mechanismus. „Rock Paper Scissors“ steht für einfache Regeln und viele Möglichkeiten. Genau das wollte ich im Design erreichen: eine klare Form, die unterschiedliche Nutzungen zulässt. Mit dem Vorbild des Spiels „Schere, Stein, Papier“ lassen sich mit den drei Handzeichen multiple Kombinationen erzeugen, das Spiel sowohl strategisch, als auch persönlich gestalten. Das Möbel verkörpert dies mit 3 Positionierungsmöglichkeiten (Stehplatz, Sitzplatz und Lounge) und den Funktionselementen, die von jeder Person selbst angebracht und damit addiert und kombiniert werden können. Mit einer Art spielerischer Leichtigkeit entstehen so der Arbeitsplatz, der Pausenraum oder der Meetingspace.
Was war Ihnen bei der Gestaltung besonders wichtig?
Moritz Michael: Reduktion und Intuition. Also möglichst wenig Erklärung zu brauchen – und trotzdem flexibel zu sein. Mich hat die Frage interessiert:
Kann ein Möbel so selbstverständlich funktionieren, dass man es einfach benutzt, ohne darüber nachzudenken?
Was braucht es von mir als gestaltender Person an Vorgaben, damit das System Arbeitsmöbel funktioniert, und wie viel kann ich den Benutzenden selbst überlassen, um eine persönliche und selbstgewählte Nutzung zu fördern? Dieses „Selbstverständliche“ zu gestalten, ist oft der schwierigste Teil.
Wie haben Sie die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen erlebt?
Moritz Michael: Als sehr wertvoll – gerade weil beide Perspektiven zusammenkommen. Auf der einen Seite die konzeptionelle Freiheit aus dem Studium, auf der anderen Seite die Erfahrung von Palmberg in der Umsetzung. In einer wirtschaftlichen Produktion kommen viele Faktoren der Umsetzbarkeit und Rentabilität zusammen, in der es wichtig ist, die entscheidenden Punkte der gestalterischen Arbeit beizubehalten, zu reduzieren und umzugestalten, um ein wirtschaftlich erfolgreiches Produkt zu entwerfen, das seine maximale Fähigkeit behält, die Benutzenden zu unterstützen.
In der Präsentation vor Christoffer Süß und Julianne Utz Preußing bei Palmberg wurde dann schnell klar, welche Ideen nicht nur spannend, sondern auch realisierbar sind. In gemeinsamen Feedbackrunden wurde das Möbel und das Konzept um Salto stetig nach diesen Aspekten angepasst und weiterentwickelt.
Und dann ist erst einmal nichts passiert?
Moritz Michael: Ja, so kann man es sagen. Die meisten Entwürfe aus solchen Projekten bleiben Konzepte. Deshalb habe ich SALTO lange als abgeschlossene Idee gesehen. Umso überraschender war es, dass das Projekt später wieder aufgegriffen wurde.
Was unterscheidet aus Ihrer Sicht eine gute Idee von einem realen Produkt?
Moritz Michael: Die Umsetzung. Eine Idee kann noch so gut sein – sie muss sich am Ende bewähren: in der Produktion, im Alltag, im Zusammenspiel mit anderen Möbeln. Eine gute Idee entwickelt sich auf dem Weg in den realen Raum immens weiter. Ich glaube, dass auf diesem Weg viel verloren gehen kann, aber eben auch die wahren Stärken hervorgebracht werden können. Es entsteht viel Auseinandersetzung und Hinterfragen, Details werden geklärt; die Idee formt sich selbst nochmal neu und wird sich selbst bewusst. Für mich ist das ein wunderbarer Prozess. Ich freue mich, dass Palmberg diesen Weg mit der Idee und dem Konzept von Rock Paper Scissors gegangen ist und die Persönlichkeit dieser Idee Realität geworden ist.
Heute ist aus Ihrem Entwurf SALTO geworden. Wie fühlt sich das an?
Moritz Michael: Es ist besonders – vor allem, weil der ursprüngliche Gedanke erhalten geblieben ist. Natürlich verändert sich im Entwicklungsprozess vieles. Aber die Idee, ein Möbel zu schaffen, das sich durch Bewegung an unterschiedliche Situationen anpasst, ist geblieben. Als gestaltende Person ist das Gefühl, die Identität seiner Idee bewahrt zu sehen, sehr besonders und nicht immer der Fall. Ich freue mich, dass Palmberg vor allem darin die Stärke dieses Möbels gesehen hat. Für mich verkörpern das Stehen, Wenden, Drehen und Kombinieren die Seele meiner Idee. Es freut mich, dass dieser Aspekt immer noch das Zentrum des Möbels bildet und auch so kommuniziert wird.
Wenn Sie SALTO heute sehen – was sehen Sie darin?
Gute Gestaltung braucht Zeit, ein wenig Glück und die richtigen Partner.
Moritz Michael: Eine gewisse Offenheit. Ein Möbel, das nicht alles vorgibt, sondern Möglichkeiten anbietet und mit der Nutzer*in verändert werden kann. Ich sehe ein Möbel mit Flexibilität, die einfach geblieben ist. Speziell auch die Kombination von mehr als einem Salto zu Sitz- und Arbeitslandschaften freut mich sehr. Und vielleicht auch ein Beispiel dafür, dass gute Gestaltung manchmal Zeit und ein wenig Glück braucht – und die richtigen Partner, um Realität zu werden.
Was nehmen Sie persönlich aus diesem Projekt mit?
Moritz Michael: Dass es sich lohnt, Ideen ernst zu nehmen – auch wenn ihr Weg unklar ist. Und dass die Verbindung von konzeptioneller Arbeit und praktischer Umsetzung unglaublich viel Potenzial hat.
Eine letzte Frage: Wie würden Sie SALTO in einem Satz beschreiben?
Moritz Michael: Salto ist eine Art dynamische Werkbank für überraschende Ideen.