Die richtige Höhe im Sitzen und im Stehen
Die richtige Tischhöhe erkennt man an den Armen: Die Unterarme liegen annähernd waagerecht auf der Platte, die Schultern bleiben locker. Das gilt im Sitzen und im Stehen gleichermaßen.
Für einen festen, nicht verstellbaren Schreibtisch nennt die DGUV eine Höhe von 74 Zentimetern, mit zwei Zentimetern Spielraum nach oben und unten. Das passt für viele, aber nicht für alle. Kleinere Menschen brauchen an einem solchen Tisch oft eine Fußstütze, sehr große manchmal einen höheren Tisch. Ein höhenverstellbarer Tisch löst dieses Problem nebenbei, weil er sich dem Menschen anpasst und nicht umgekehrt.
Dafür muss er aber weit genug nach unten fahren, damit kleine Menschen gut sitzen, und weit genug nach oben, damit große Menschen gut stehen. Die DGUV legt dafür Mindestverstellbereiche fest: Für Steh-Sitz-Tische gelten ergonomisch 65 bis 125 Zentimeter, mindestens aber 68 bis 118. Wer Tische anschafft, sollte deshalb beide Enden prüfen, nicht nur den Komfort des Motors.
Die Einstellung ist Handwerk, keine Wissenschaft. Man macht sie einmal richtig, speichert beide Positionen und muss danach nie wieder suchen. Wer diesen Schritt überspringt, hat den häufigsten Grund für einen ungenutzten Tisch schon eingebaut. Dazu gleich mehr.
Warum der höhenverstellbare Schreibtisch oft unten bleibt
Das Problem ist älter, als viele denken. Im Jahr 2000 veröffentlichte die BAuA einen Forschungsbericht über alternative Büroarbeitsplatzkonzepte, mehr als 200 Seiten dick. Das Ergebnis war doppelt interessant:
Unter allen untersuchten Sitz-Steh-Konzepten schnitt der Sitz-Steh-Tisch am besten ab, wenn es darum ging, Sitzen und Stehen zeitlich ausgewogen zu verteilen.
Zugleich zeigte die Untersuchung: Allein durch die Bereitstellung neuer Sitz- und Stehmöbel lässt sich kein entscheidender Beitrag gegen Muskel-Skelett-Beschwerden im Büro leisten.
Das ist über ein Vierteljahrhundert her. Der Satz gilt noch immer. Der Tisch ist die beste Voraussetzung, die es gibt. Aber eine Voraussetzung ist noch keine Gewohnheit.
Warum die Gewohnheit ausbleibt, lässt sich ziemlich genau benennen.
- Der Wechsel kostet zu viel Aufwand
Die BAuA sagt es ohne Umschweife: Ein zu hoher Aufwand, um in die stehende Arbeitsposition zu kommen, verhindert die Steh-Sitz-Dynamik. Umständliches Verstellen ist der Anfang vom Ende. Wer bei jedem Wechsel die richtige Höhe neu suchen muss, wechselt irgendwann nicht mehr. Der Tisch braucht also gespeicherte Positionen, und die Menschen brauchen jemanden, der ihnen zeigt, wie man sie speichert. - Der Steh-Ort ist zu weit weg
Wo Steharbeitsplätze getrennt vom Sitzplatz eingerichtet werden, etwa als Stehpult in der Ecke, gilt eine einfache Regel: Der Steharbeitsplatz gehört in unmittelbare Nähe des Sitzplatzes. Jeder zusätzliche Meter ist ein Grund, sitzen zu bleiben. Beim höhenverstellbaren Schreibtisch ist diese Distanz null. Das ist sein eigentlicher Vorteil. - Niemand hat erklärt, wofür
Die BAuA empfiehlt, Beschäftigte vor der Einführung neuer Möbel über Sinn, Zweck und richtige Anwendung zu informieren und sie zu beteiligen. Sie nennt die Beteiligung sogar grundlegend. In der Praxis sieht die Einführung oft so aus: Der Tisch wird geliefert, aufgebaut und steht dann da. Die Bedienungsanleitung liegt im Karton, der Karton im Keller.
Welche Aufgaben sich fürs Arbeiten im Stehen eignen
Die BAuA empfiehlt, Beschäftigte darin zu schulen, ihre Tätigkeiten in solche aufzuteilen, die im Stehen erledigt werden, und solche, die im Sitzen erledigt werden müssen. Es brauche neue persönliche Arbeitsstrategien, damit der Haltungswechsel gelingt.
Das klingt bürokratisch. Ist es aber nicht. Es ist der eleganteste Trick, den es gibt: Man verbindet den Wechsel mit etwas, das sowieso passiert. Die BAuA selbst nennt Bildschirmarbeit, unterbrochen durch Telefonieren im Stehen und den Gang zum Kopierer.
Eine Faustregel für die Praxis: