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Das Stellwandsystem CLAMP macht es möglich, Großraumbüros neu zu zonieren. | © PALMBERG

TOMORROW

Design-Highlights: Wandernde Wände

von Hannes Hilbrecht

Kaum ein Convenience-Produkt ist so genial designt wie die Pommes frites. Doch welche Büromöbel wurden ähnlich smart erdacht und können mit der "Pommes-Genialität" mithalten? inperspective-Autor Hannes Hilbrecht begegneten auf seiner digitalen Weltreise ziemlich abgedrehte Wände, Lampen und Couchtische.

Die ersten Pommes frites waren als Fischersatz gedacht. In Namur, Huy und Dinante, allesamt belgische Ortschaften in der Nähe der Maas, dem historisch ohnehin sehr bedeutsamen Fluss, schnitten die Fischer im 17. Jahrhundert ihren Fang für gewöhnlich in Scheiben und warfen ihn ins Friture. War der Strom im Winter zugefroren und das Fischen zu beschwerlich geworden, fanden die Belgier in den winterfesten Kartoffeln eine vegetarische Alternative. Auch die Erdäpfel wurden gespalten und ins Fettbad geworfen. Die ersten Pommes waren geboren, äähm: frittiert. Das Ergebnis erwies sich als nahrhaft, schmeckte köstlich und besonders wichtig für die häufig verarmten Fischer: Preislich war das Gericht erschwinglich. So lautet eine von vielen Versionen der Pommes-Entstehungsgeschichte.

Was haben künstliche Pommes frites mit Büro und Design Details zu tun? Ganz einfach: Die Form der Fritte ist ein Musterbeispiel, wie simpel und trotzdem genial ein Produkt designt sein kann. Der Schnitt der Pommes sorgt nicht nur dafür, dass sie leicht mit oder ohne Besteck zu genießen ist. Er garantiert auch eine kurze Garzeit. Dazu ist der Geschmacksgewinn, den ein frittiertes Kartoffelstäbchen im Garprozess erhält, beträchtlich. Kein Wunder, dass die Lebensmittelindustrie mittlerweile auch Maniok oder Karotten in Stäbchenform stanzt.

Doch welche Design-Innovationen und Hacks greifen das Pommes-Prinzip auf und formen aus etwas Alltäglichem wie einer Kartoffel eine echte Innovation? Wir haben drei Beispiele auf unserer Weltreise gefunden. Es geht um Wände, Lampen und Couchtische.

Schönberg, Mecklenburg-Vorpommern: Wandernde Wände

Die Weltreise beginnt in Schönberg, einem kleinen Ort im äußersten Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns, berühmt für guten Amateurfußball, einer zarten Ostseebrise und der Maurine, einem bachähnlichen Fluss, die Elbe in sehr, sehr, sehr winzig. In diesem Idyll fertigt der Möbelhersteller PALMBERG (Anmerkung: Das Unternehmen hinter inperspective) seine deutschlandweit begehrten Produkte. Tische, Regalsysteme, Schallabsorber und auch bald schon ein modernes Stellwandsystem.

Mit CLAMP können Unternehmen flexibel und unabhängig von den baulichen Voraussetzungen ihre Großraumbüros zonieren. Das freut nicht nur den Wirtschaftsexperten und renommierten Autoren Wolf Lotter, der eben jenes Großraumbüro als "Rohrkrepierer" bezeichnete. Die Office-Palisaden ermöglichen es Unternehmen und Architekten, Büroflächen nach der Corona-Pandemie mit verhältnismäßig geringen Mitteln an neue Gegebenheiten anzupassen. Das Einziehen von starren Wänden ist nicht mehr nötig, um Meetingräume, Teambüros oder andersartige Separees zu gestalten. Und anders als schnöde Mauern aus Beton oder Gips wirken die CLAMP-Module schallabsorbierend. David Hasselhoff könnte diese wandernden Wände nicht zum Einsturz bringen.

Ab dem zweiten Quartal ist CLAMP in verschiedenen Höhen, Breiten und Stoffen verfügbar. Sogar, passend zur Pommes frites, beinahe in Stäbchenform, nämlich hoch und schmal.

Singapur, Singapur: Dyson und die Wunderlampe

Etwa 10.084 Kilometer trennen Schönberg und Singapur, dem zweiten Standort unserer Reise.

Der Stadtstaat zählt zu den spannendsten asiatischen Metropolen, er ist in normalen Zeiten ein Touristenmagnet, der nachts in bunten Neonfarben strahlt. Trotz der "berucktsackten Horden", die die Stadt normalerweise verstopfen, gilt Singapur als eine der Welthauptstädte der Sauberkeit. Sogar unter Schultischen, den vielleicht unappetitlichsten Orten unseres Sonnensystems, ist keine hygienische Hölle in der Form eines DNA-Parkplatzes zu erwarten. Das liegt auch am im Jahr 1992 erlassenen Verbot von Kaugummi. Zwar dürfen diese mittlerweile wieder in Singapur gekaut werden, doch führen die Supermärkte im Stadtstaat keine zermalmbaren Munderfrischer. Die gibt es vor Ort nur auf ärztliches Rezept.

Ein weiterer Grund für das "picobello" in der Stadt: Dyson. Der Technologieriese und Staubsauger-Magnat hat seinen Hauptsitz in Singapur, an Technik zum Großreinemachen mangelt es in der Metropole nicht. Von Dyson wurde auch eine der innovativsten Bürolampen der Welt erfunden: Die Lightcycle Morph Tischleuchte.

Die ist nicht nur teurer als ein gebrauchter Daihatsu Materia, sondern trumpft auch mit einer genialen Funktion auf: Durch einen GPS-basierten Algorithmus passt die Leuchte alle 60 Sekunden automatisch ihre Helligkeit an die herrschenden Tageslicht-Bedingungen an. Dr. Oliver Stefani gefällt das. Unsere innere Uhr darf also ganz normal weiterticken. Die Lampe, die explizit als Schreibtischleuchte taugen soll, kommt optisch beinahe stäbchenförmig daher. Passend zur Pommes frites.

Boston, Massachusetts: Corneeeliaaa Couchtisch!

Der Name Cornelia schrammte vor etwa zwei Jahren nur Millimeter an der traurigen Berühmtheit vorbei, die ein Schlagersong mitsichbringen kann. So sang der österreichische Pop-Barde Josh aber von einer bezaubernden "Cordula Grün" und nicht von einer "Cornelia Grün". Glück gehabt.

In den USA hingegen darf sich der Name Cornelia einer angenehmeren Berühmtheit erfreuen. Eines der beliebteren Wohnzimmermöbel des vergangenen Jahres trug dort den voluminösen Vornamen: eine Couchtisch-Schreibtisch-Kombination. Oder, weil es toller klingt, noch mal auf Englisch: a couch table desk combo.

Damit ist die simple, aber signifikante Innovation erklärt. Im Normalzustand ist Cornelia ein flacher Beistelltisch für den Pott Kaffee, Al Bundys Füße oder einen Strauß Hortensien. Doch Cornelia kann mehr! Durch die metallenen Gelenke, die unter der Tischplatte verborgen liegen, kann sich der couch table ratzfatz zum Schreibtisch aufrichten.

Mittlerweile wird der Markt von Produkten wie Cornelia überschwemmt, mehr und mehr Hersteller konfektionieren ähnliche Produkttypen. Die Corona-Pandemie und das von der Politik verschriebene Homeoffice machen es möglich. Gemeinsam haben die Möbel, dass sie fast alle schöne Namen tragen: Cornelia, Leonara oder Metrino. Und noch etwas eint alle Couchtisch-Schreibtischkombination: Mit einer Pommes frites haben sie wirklich, wirklich nur die Genialität ihrer Schöpfung gemeinsam.

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